Dienstag, 14. Februar 2017

Heute ist Wallendienstag ...

... Da gibt's immer jede Menge Blumen, meistens jedenfalls - oder manchmal zumindest. Wer bisher leer ausgegangen ist und heute noch keine Blumen abbekommen hat, darf sich gerne hier die schönste Blume aussuchen und mit nach Hause nehmen 😊.

Blumen aus Englischen Gärten in Cornwall ...

Man hört munkeln, der Valentinstag sei eine umsatzsteigernde Erfindung der Blumenhändler. Da könnte etwas Wahres dran sein. Aber eigentlich geht "der Tag der Liebenden" wohl auf einen christlichen Priester namens Valentin zurück, der in Rom trotz des Verbots durch Kaiser Claudius II Paare nach kirchlichem Ritus getraut haben soll.

... und demTropen Pavillon des "Eden Projects"

Bei Wikipedia heißt es (Zitat): "Dabei soll er den Paaren auch Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Die Ehen, die von ihm geschlossen wurden, standen der Überlieferung nach unter einem guten Stern." Für Valentin selbst hat die Geschichte aber dann kein gutes Ende genommen. Auf Befehl des Kaisers Claudius II. ist er am 14. Februar 269 wegen seines christlichen Glaubens enthauptet worden.



Wenn ich so darüber nachdenke, wird der gute Valentin infolge des Brauchtums zu Ehren seines Todestags im Laufe der Jahrhunderte wohl ein nicht zu bezifferndes Vielfaches der Blumen zurückbekommen haben, die er zu seinen Lebzeiten den frisch vermählten Paaren aus seinem Garten mitgebracht hat.

Samstag, 11. Februar 2017

Der Zolli, die Neue Aue und 100 alarmierte Bürger

21.09.2014 - Sommerfest auf dem Zolli
Zolli: Grüne Oase im Goethe-Quartier des Bremerhavener Stadtteils Lehe
Am 09.02.2017 wurde in der Stadtteilkonferenz Lehe (STK Lehe) über das Thema Grünflächen in Bremerhaven diskutiert. Rund einhundert Bürger waren aufgrund der Berichte in der Bremerhavener Lokalpresse über eine mögliche Bebauung des "Zollis", sowie aufgrund neuer Erkenntnisse bezüglich einer Bebauung im Gebiet "Neue Aue" alarmiert.

Der "Zolli" ist der ehemalige "Zollinlandplatz", ein Fußballplatz, der vielen Bremerhavenern Fans des "TuS Bremerhaven 93" noch in lebhafter Erinnerung sein dürfte. Alle Vereine, die während der "großen Zeit" des Vereins in der Oberliga Nord spielten, waren damals auf dem Zolli zu Gast - darunter der SV Werder Bremen, der Hamburger SV, der FC St. Pauli, die Eintracht Braunschweig, der VFL Osnabrück oder Hannover 96.

Nachdem der Platz seit einigen Jahren nicht mehr bespielt worden war, wurde er mit öffentlichen Mitteln für die Nutzung durch die Öffentlichkeit als grüne Oase im Leher Ortsteil "Goethestraße" vorbereitet und im Juli 2015 für die weitere Entwicklung an die "Zolli Initiative" übergeben. Dem unermüdlichen Einsatz der Zolli Initiative ist es zu verdanken, dass der Platz den Anwohnern des Goethe-Quartiers jetzt überhaupt in dieser Weise zur Verfügung steht. Seit der Übergabe an die Öffentlichkeit haben die Mitglieder der Zolli-Initiative und ihre Freunde aus dem Quartier in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit mit der Bepflanzung und der Anlage von unterschiedlichen Lebensräumen für Pflanzen und Tiere auf dem "Zolli" begonnen ...



Video: Herr Janßen über Schulneu- und Altbauten, die Nachhaltigkeit, die
Finanzierung des zusätzlichen Lehrerbedarfs und die Rechte der folgenden
Generation
en (© 11.02.2017, mangolution)

Dass insbesondere diese Mitbürger - vorsichtig ausgedrückt - verärgert sind, wenn sie jetzt aus der Presse erfahren, dass seitens der Politik über die Bebauung des Platzes mit einer Schule nachgedacht wird, kann wohl jeder gut nachvollziehen. Hier wiederholen sich die gleichen Muster des Umgangs der politisch Verantwortlichen mit den Bürgern, die uns aus den Jahren des Widerstands gegen die Bebauung des im banachbarten Ortsteil "Klushof" gelegenen "Phillips-Field" mit einem Kaufland-Vollsortimenter*) oder gegen die Bebauung des Kistner-Geländes mit einer Ansammlung von Supermärkten*) noch lebhaft in Erinnerung sind.

Herr Schmeckies (STK Lehe, Sprecher) las eine E-Mail mit einer Stellungnahme von Frau Kountchev (Bremerhaven, Stadtplanungsamt, Leiterin) vor. Daraus geht - auf den Punkt gebracht - hervor, dass das Stadtplanungsamt von der Erhaltung des "Zolli für alle Generationen" ausgeht. Das hört sich erst einmal besser an, als das, was in der Nordsee-Zeitung darüber zu lesen war.

Allerdings:
Wenn das Stadtplanungsamt "davon ausgeht", dann heißt das leider noch lange nicht, ob es mit seiner Prognose richtig liegen wird. Entschieden wird darüber irgendwann auf politischer Ebene. Und den Ausführungen Herrn Schmeckies' zufolge war keiner der verantwortlichen Politiker bereit, persönlich gegenüber der STK Lehe dazu Stellung zu beziehen.


Grünflächen an der neuen Aue 

Wanderweg an der Neuen Aue
Wiesen zwischen dem Aue-Wanderweg und der Jahnstraße

Ähnlichwie mit dem "Zolli" verhält es sich mit den Planungen zur Entwicklung des im Leher Ortsteil "Eckernfeld" gelegenen Gebiets "Neue Aue". Am 11.02.2016 wurden den Besuchern der STK Lehe unter dem Tagesordnungspunkt 2 Pläne zur ökologischen Entwicklung des Areals vorgestellt. Die Referentin Frau Heckemeyer (Bremerhaven, Stadtplanungsamt) antwortete damals im Anschluss an ihre Ausführungen auf Fragen der Besucher der Stadtteilkonferenz (STK Lehe, Protokoll vom 11.02.2016, Zitat):
  • Frage: Sind schon bestimmte Randbereiche f.d. Bebauung vorgesehen/ausgeschlossen? Antwort: Nein, es gibt auch noch keine Konzepte für eventuelle Bauvorhaben. Die Stadt möchte den Charakter des Gebietes qualitativ nicht mindern.
  • Frage: Durch das für 2018 geplante neue Landschaftskonzept könnte sich das vorliegende Konzept erübrigen, ist dies nicht eine sinnlose Doppelstruktur, wäre warten nicht auch aus Kostengründen sinnvoll? Antwort: Es gibt Verknüpfungen zwischen beiden Konzepten, vor allem im Bereich Umweltschutz. Über dies gibt es laufend Anfragen an die Verwaltung, die ohne das nun geplante Konzept schlicht nicht bearbeitet werden können.
  • Frage: Ökologische Entwicklung hat nichts mit Wohnbebauung zu tun, was soll das? Antwort: Es geht bei diesem Konzept nicht um Wohnbebauung.
  • Frage: Kann man Bebauung in diesem Gebiet nicht einfach generell verbieten? Antwort: Es geht nicht um Bebauung, ohne das Konzept kann man gar nicht einschätzen, ob Bebauung hier überhaupt möglich/sinnvoll wäre. Ungünstiger Fokus von Seiten der Presse hat überhaupt erst dazu geführt, dass Gerüchte über eine geplante Bebauung entstehen konnten. Dies ist aber nicht geplant.
  • Frage: Wäre der Bau eines „Demenzdorfes“ eine Möglichkeit? Antwort: Das Konzept „Demenzdorf“ ist interessant und sicher zukunftsweisend, aber die bestehenden Erschließungsstrukturen machen das unwahrscheinlich. Um das genau zu wissen, bräuchte man das geplante Konzept.
  • Frage: Ist der Auftrag streng umgrenzt? Kann man Umweltuntersuchungen mit darin aufnehmen? Antwort: Es geht zuerst einmal um Flächennutzung.
  • Frage: Herr Grantz hat das Gebiet Neue Aue zur „Chefsache“ gemacht. Sollte man nicht lieber Bürgerbefragungen in der Sache machen? Antwort: Ja, sollte man, deshalb die Präsentation bei der Stadtteilkonferenz und der zugesagte weitere Prozess der Bürgerbeteiligung.
  • Frage: Warum haben keine Gespräche mit Kirche und anderen Eigentümern stattgefunden? Antwort: Gespräche mit Eigentümern vor Planungsaufträgen sind nicht unbedingt zielführend.
  • Frage: Warum muss bei der Vergabe des Planungsauftrages der preisgünstigste gewählt werden? Und steht Frau Ehbauers Aussage noch, dass bei geplanter Bebauung Baulücken bevorzugt behandelt würden? Antwort: In diesem Fall war das günstigste Angeboht glücklicherweise auch das Qualifizierteste. Ja, die Aussage gilt noch.
  • Frage: Ist die bestehende Zergliederung des Gebietes nicht ein Hinderniss für geplante Bebauung? Antwort: Ja, aber das ist auch gut so, es geht nicht um großflächige Bebauung.
  • Frage: Geht es bei dem Konzept auch darum, finanzstarke Einwohner durch attraktive Lage im Ort zu halten? Antwort: Ja, darum geht es letztlich bei der Stadtentwicklung immer zu einem gewissen Grad.
  • Frage: Ist die Schönheit des Gebietes Frau Heckemeyer persönlich bekannt? Antwort: Ja, und die soll auch erhalten bleiben.
  • Frage: Warum sind in derStadtplanung vornehmlich Einfamilienhäuser angedacht? Antwort: Von diesem Trend sollte man sich in einer Stadt wie Bremerhaven lösen.
  • Frage: Gärten liegen Brach? Nein, junge Leute ziehen gerade vermehrt dort hin, auch Studenten. Kommt das Konzept also nicht zu früh? Hätten die Bürger das nicht auch ohne Konzept hinbekommen? Antwort: Bündelung von Ressourcen und das Konzept können diesen willkommenen Trend befördern.
  • Frage: Gibt es für Bremerhaven ein Baulückenkataster? Antwort: Ja, dieses ist aber veraltet und noch nicht einmal digitalisiert.
  • Frage: Können die Anwohner informiert werden, wenn das beauftragte Büro im Gebiet die Bedarfe erfasst? Antwort: Ja, selbstverständlich gerne.
  • Frage: Was bekommt das zuständige Büro für diesen Auftrag? Antwort: 25.000 Euro


Teichlandschaft an der Neuen Aue
 Im Rahmen der zugesagten Bürgerbeteiligung sollten auch die Wünsche und Ideen der Anwohner und Nutzer des Naherholungsgebiets berücksichtigt werden ... - so das Versprechen der Politik (siehe Zitat aus dem Protokoll zur STK Lehe vom 11.02.2016), dem dann aber keine Taten folgten. Stattdessen sickerte im Laufe der vergangenen Monate durch, dass ein Auftrag zur Erstellung eines Entwicklungskonzepts bereits vergeben wurde. Auf Nachfragen von Anwohnern und anderen an der Erhaltung der Grünfächen im Gebiet "Neue Aue" interessierten Leher Bürgern hieß es dann, das Konzept sei noch nicht fertig.

Aue-Wanderweg
Laubwald und Teichlandschaft an der Neuen Aue
Dass dieses der Politik aber bereits vorliegt, erfuhren wir nun in der Stadtteilkonferenz. Entgegen aller Zusagen (siehe Zitat aus dem Protokoll zur STK Lehe vom 11.02.2016) sei darin jetzt allerdings anstelle einer ökologischen Entwicklung eine flächige Bebauung mit Einfamilienhäusern vorgesehen.

Dass sich die Leher Bürger diese erneut zutage tretende Ignoranz ihrer Bedürfnisse und Wünsche bezüglich der Erhaltung der letzten Grünflächen und Naherholungsgebiete, sowie der ihnen politischerseits aufgezwungenen konträren Entwicklung ihrer unmittelbaren Umgebung nicht gefallen lassen werden, wurde anhand - vorsichtig ausgedrückt - "äußerst erregter Redebeiträge" von Teilnehmern der STK Lehe, die immer wieder mit anhaltenden Beifallsbekundungen der Anwesenden bedacht wurden, mehr als deutlich. Wie es heißt, sollen das Gutachten und der Stand der Planung im März durch das Stadtplanungsamt vorgestellt werden.

Bereits der Einladung zur Stadtteilkonferenz war zu entnehmen, dass neben dem "Zolli" und dem Gebiet "Neue Aue" wieder einmal auch die Bebauung des "Phillips-Fields" in Erwägung gezogen wird - genau: Für einen Schulneubau. Bezeichnend für den Wert, den die Politik der Erhaltung und der Pflege grüner Lebensräume in der Stadt beimisst, ist auch der Umgang mit der Bitte des "Kleingartenvereins Bremerhaven-Lehe", die Pacht nur für die tatsächlich genutzten Parzellen zu erheben. Der Verein steht vor dem Problem, dass etliche Parzellen nicht mehr genutzt werden, die verbliebenen Kleingärtner aber für die auf das gesamte Gelände erhobenen Pacht aufkommen sollen. Wie es bei der Stadtteilkonferenz hieß, sei das für den Verein inzwischen unmittelbar existenzbedrohend.



Video: Herr Frelich (NABU) zu den Konsequenzen eines baulichen
Eingriffs in das Gebiet an der Neuen Aue (© 10.02.2017, mangolution)

Auf Einladung der Sprecher der STK Lehe führte Herr Frelich (NABU Bremerhaven-Wesermünde e. V., stellvertr. Vorsitzender) den Besuchern der Stadtteilkonferenz vor Augen, welche über die vordergründig erkennbaren menschlichen Bedürfnisse bezüglich der Erhaltung der Grünflächen hinausgehenden Auswirkungen eine Bebauung der genannten Flächen - auch für die Stadt insgesamt - zur Folge hätte.



Herr Frelich (NABU) zur ökologischen Wichtigkeit der Grünflächenund Naturgebiete in Bremerhaven (© 11.02.2017, mangolution)

Die Politiker der Großen Koalition in Bremerhaven werben zwar immer wieder gerne mit dem Titel "Klimastadt", handeln aber oftmals so, als seien sie für die damit verbundenen Verpflichtungen nicht zuständig. Grünflächen haben einen unmittelbaren Einfluss auf das städtische Mikroklima. Herr Frelich bezeichnete sie als "Frischluftentstehungsbereiche": Bäume und Sträucher verdunsten Wasser, was insbesondere nachts zur Nebelbildung führt. Kühle, feuchte Luft wird dann in die tagsüber erhitzten Bereiche der Stadt hineingetragen. Dieser Effekt sei vergleichbar mit einer "Kühlmaschine, für die wir nichts bezahlen" brauchen.

Die Landschaft entlang der Neuen Aue ist ein grünes Paradies ...
... und ein Naherhohlungsgebiet, das es zu erhalten gilt.
Eine weiterer, nicht zu unterschätzender Effekt einer flächigen Bebauung mit Einfamilienhäusern und den heute üblichen eher kleinen Gartengrundstücken sei die weitere Versiegelung der Flächen. Betroffen seien die Wiesen zwischen dem Wanderweg entlang der Aue und der Jahnstraße, sowie die Grünflächen westlich der Jahnstraße zwischen der Steinkämpe im Norden und dem Twischkamp im Süden. Infolge der Versiegelung kann das Niederschlagswasser nicht mehr wie bisher versickern und belastet dadurch zusätzlich die - insbesondere im Falle der infolge des Klimawandels vermehrt zu erwartenden Starkregenereignisse - die Kanalistion. Zudem kämem auf die Stadt höhere Kosten zu, um das Wasser abzuführen.

Hinzu komme ein zu erwartender massiver Artenverlust. Das im Verlauf eines einzigen Jahres erstellte Gutachten des Stadtplanungsamtes wird Herrn Frelich zufolge nichts Verwertbares dazu aussagen. Für ein aussagekräftiges Gutachten zur Artenvielfalt, das von "Amphibien bis Insekten" alles berücksichtigt, wäre im Gebiet an der Neuen Aue ein Mindesterfassungszeitraum von zwei Jahren notwendig. Der NABU habe bei seinen Wanderungen im Gebiet an der Neuen Aue das Vorkommen von Fledermäusen dokumentiert. Herr Frelich benannte drei verschiedene Arten:

Die Zwergfledermaus habe ihre Schlafplätze in den Verschalungen der Gartenhütten der Parzellen auf dem Grabeland an der Neuen Aue. Würde dort alles platt gemacht werden, um Platz für Einfamilienhäuser zu schaffen, würde der Lebensraum der Tiere zerstört. Der insgesamt für die Natur entstehende Schaden und der Verlust unserer Naherhohlungsräume sei "für Jahrzehnte oder Jahrhunderte nicht rückgängig zu machen".


Aufgeschnappt:
"Wenn kein einziger Politiker bereit ist, uns heute Abend hier Rede und Antwort zu stehen, dann zeugt das von einem großen Mangel an Wertschätzung für die ehrenamtliche Arbeit der Zolli-Initiative."

"Wem gehört eigentlich die Stadt?"


*) Zum Weiterlesen:

Phillips-Field

Kistner-Gelände


Update:
12.02.2017
- Video "Schulneubauten"
- Video "Wichtigkeit der Naturgebiete"


(Quellen: Stadtteilkonferenz Lehe vom 11.02.2016 und vom 09.02.2017, Quartiersmeisterei Lehe, Zolli Initiative, NABU )



Samstag, 21. Januar 2017

Wir haben es satt - zum siebten Mal!


Heute werden wieder zehntausende Menschen ihren Protest gegen die Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung und der EU auf die Straßen von Berlin tragen.

Längst stehen aber nicht mehr nur der Kampf um gesundes Essen und eine bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft gegen die immer größere Machtkonzentration international operierender Lebensmittel-, Agrarchemie und Biogenetik-Konzerne im Focus der Demonstranten. Es geht ihnen auch um einen fairen Welthandel, der durch sogenannte "Frei"-Handelsabkommen wie TPP, TTIP, CETA oder EPAs immer weiter zurückgedrängt wird.

Diese Handelsabkommen führen Bemühungen um die Bekämpfung von Fluchtursachen und der Armut in nach internationalen Maßstäben wirtschaftlich schwachen Ländern, die immer mehr in die Anhängigkeit von den Industriestaaten geraten (siehe Link EPAs!), ad Absurdum. Solange sich nichts daran ändert, dass die Industriestaaten - darunter auch Deutschland und die EU - auf "Teufel komm raus" produzieren und sich ihres Überflusses in der "Dritten Welt" entledigen, sind verbale Bekenntnisse zur Armutsbekämpfung und zur Belämpfung der Ursachen der wachsenden Ströme vor wirtschaftlicher Not fliehender Menschen nichts als leere Worthülsen.

Die Kehrseite der exportorientierten Überproduktion und der daraus folgenden Abhängigkeit vom Weltmarkt, in Zusammenhang mit der Abhängigkeit mit der Machtstellung der milchverarbeitenden Industrie, bekommen hierzulande seit geraumer Zeit die Milchbauern zu spüren. Billige Importe von Milchprodukten aus anderen Ländern und wegbrechende Märkte in anderen Teilen der Welt, in denen deutsche Bauern mit Landwirten aus vielen anderen Ländern im Wettbewerb stehen, zwingen immer mehr Milchbauern zur Aufgabe. In der Folge bricht bei uns die regionale Versorgung mit Milchprodukten zusammen, so dass die Wahl zwischen Produkten aus der Region und importierten Milchprodukten für uns Verbraucher irgendwann der Vergangenheit angehören könnte.

Voraussichtlich am 24. September findet in diesem Jahr die Bundestagswahl statt. Vor diesem Hintergund unterstreicht die Demonstration auch die Forderung an die Parteien, die Weichen in Richtung einer bäuerlichen, ökologisch orientierten Landwirtschaft zu stellen und damit dem weiteren Höfesterben und dem Einfluss der immer mächtiger werdenden multinationalen Agrarindustriekonzernen einen Riegel vorzuschieben.

Handelsabkommen wie CETA oder TTIP würden das Gegenteil bewirken. Deshalb fordern die Demonstranten die Parteien auf, in ihren Wahlprogrammen bezüglich ihrer Haltung für oder gegen die Ratifizierung von CETA sowie für oder gegen die Fortsetzung der TTIP-Verhandlungen klar Stellung zu beziehen. Was mich betrifft, werden Parteien, die sich nicht klar gegen die die beiden Handelsabkommen aussprechen nicht mit meiner Stimme rechnen können.

Noch könnte der für den Erhalt unserer Landwirtschaft und der regionalen Versorgung mit Lebensmitteln notwendige Wandel gelingen. Aber die verbleibende Zeit dafür wird knapper. Da die derzeit in Berlin regierenden Parteien erfahrungsgemäß eher auf die konservativen Landwirtschaftsverbände und die Agrarindustrie hören, als auf den Willen der Bürger, wird auch der Druck von der Straße weiterhin notwendig sein. Ich wäre heute gern dabei gewesen. Da ich die Folgen meines Unfalls im vergangenen Jahr immer noch sprüre, ist das aber leider nicht möglich.


Zum Weiterlesen:
Übernahmen wie von Monsanto durch Bayer oder die Aufteilung der Märkte von Kaiser’s/Tengelmann zwischen Rewe und Edeka sind nur die Spitze des Eisberges. Auf allen Stufen der Lieferkette vom Acker bis zur Ladentheke finden Konzentrationsprozesse mit einer enormen Dynamik statt.

Mit ihrem gemeinsam herausgegebenen Konzernatlas 2017 möchten die Heinrich-Böll-Stiftung, die Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Germanwatch, Oxfam Deutschland und Le Monde Diplomatique eine breit geführte gesellschaftliche Debatte dazu anstoßen.


"Es ist falsch, Lebensmittel zu verramschen, hinter denen harte Arbeit steckt. Der Handel sollte sich seiner ethischen Verantwortung stellen und die Landwirte fair bezahlen."

Robert Habeck
(Bündnis '90 /Die Grünen)
in einem Artikel des Magazins "topagrar.com"


(Quelle: Meine Landwirtschaft vom 18.01.2017, topagrar.com vom 21.04.2016, Wir haben es satt!, Attac, Heinrich-Böll-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung, BUND, Germanwatch, Oxfam Deutschland, Le Monde Diplomatique, Wikipedia, )

Mittwoch, 18. Januar 2017

Rauchwolken über den Dächern im Süden Lehes

Rauchwolken über den Dächern im Süden des Bremerhavener Stadtteils Lehe
Der Geruch und die Trübung der Luft durch den Rauch eines Brandes waren sofort wahrnehmbar, als ich am späten Nachmittag des 16.01.2017 am Freigebiet aus dem Schnellbus stieg. Im Norden stiegen westlich der Hafenstraße dichte Rauchwolken in den Himmel.

Einer Pressemitteilung der Feuerwehr Bremerhaven zufolge war der Brand bereits mehr als eine Stunde zuvor in einer Maisonettewohnung im Dachgeschoss eines zweigeschossigen Mehrfamilienhauses in der Adolfstraße ausgebrochen.


Dachstuhlbrand in der Adolfstraße
Aufgrund der starken Wärmeentwicklung durch die Flammen sei der Dachstuhl kurz nach dem Eintreffen der Feuerwehr durchgebrannt. Mithilfe einer zweiten nachgeforderten Drehleiter sei es gelungen, die benachbarten Gebäude vor den Flammen zu schützen.

Die Nordsee-Zeitung teilte am 17.01.2016 in einem kurzen Artikel mit, dass bei dem Brand glücklicherweise keine Personen verletzt wurden. Am Gebäude sei jedoch ein hoher Sachschaden entstanden.


(Quellen: Feuerwehr Bremerhaven - Pressemitteilung vom 17.01.2017, Nordsee-Zeitung vom 17.01.2017)

Samstag, 31. Dezember 2016

Mein Jahresrückblick 2016

Eigentlich fing das Jahr 2016 für mich persönlich recht erfreulich an. Nachdem ich im Februar zum Grünkohlkönig gekrönt wurde, ereilte mich die gleiche Ehre nur einen Monat später erneut. Und das, wo ich mit der Monarchie eigentlich überhaupt nichts am Hut habe.

Ein herausragendes Erlebnis war ein Tag im Juni mit dem Traditionssegler "Artemis" auf der Kieler Förde. Den Segeltörn bei schönstem Sommerwetter und günstigem Wind habe ich von meiner Schwester und meinen Schwager zum Geburtstag bekommen.

Nach den positiven Ereignissen folgte Mitte September der Absturz - vom Fahrrad. Auf dem Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit, meinte ein anderer Radfahrer, der mir zuerst so entgegen kam, als wolle er ganz normal geradeaus an mir vorbeifahren, plötzlich nach links abbiegen zu müssen. Ich hatte noch versucht auf mich aufmerksam zu machen und nach rechts auszuweichen, aber da hatte er mich auch schon links von der Seite gerammt und zu Fall gebracht. So bin ich dann, anstatt mit dem Fahrrad auf meiner Arbeitsstelle, mit einem Krankenwagen in einem Krankenhaus angekommen. Die Folgen des Unfalls spüre ich heute noch. Aber langsam, sehr langsam, scheint es nun wieder bergauf zu gehen ...


Das war 2016 - jenseits des Tellerrands 

Mit Atomkraft und Kohle gegen die Energiewende

Mit ihrem Beschluss zum sogenannten "Atomausstieg" ist es den politisch Verantwortlichen leider gelungen, den Großteil der Bevölkerung erneut einzulullen und in trügerischer Sicherheit zu wiegen. Mit dem Beschluss ist die Gefahr einer Atomkatastrophe in Deutschland aber noch längst nicht gebannt. Zum einen sind die Atomfabriken in Gronau und Lingen vom Ausstiegsbeschluss ausgenommen, und zum anderen werden rund um Deutschland noch viele Atomreaktoren in Betrieb sein, wenn hierzulande 2022 das letzte Atomkraftwerk hoffentlich endlich seinen Betrieb einstellen wird.

Seitdem im Februar bekannt wurde dass sich Risse in sensiblen Bereichen der Atomkraftwerke "Tihange" und "Doel" (Belgien) zu einer ernsthaften radioaktiven Gefahr - auch für die Nachbarländer - entwickeln könnten, fordern die belgischen Atomkraftgegner und Gemeinden aus den benachbarten Regionen gemeinsam die Abschaltung der Schrottmeiler.

Die Städteregion Aachen hatte beschlossen, mit einer Klage vor dem höchsten belgischen Verwaltungsgericht gegen die Wiederaufnahme des Betriebs des Reaktorblocks "Tihange 2" vorzugehen. Außerdem wurde beschlossen, dass sich die Städteregion an einer Klage der belgischen Sektion der internationalen Umweltschutzorganisation "Greenpeace" gegen die Laufzeitverlängerung von "Tihange 1" beteiligt.

Anfang Februar unterstützten fünf Kreise in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, sowie fünf niederländische Kommunen die geplanten Klagen. Die Stadt Köln bekräftigte in einer Pressemitteilung ausdrücklich ihre Unterstützung für die juristischen Bemühungen der Städteregion Aachen zur Erwirkung einer besonderen Informations- und Auskunftspflicht gegenüber dem Betreiber der Anlagen und dem belgischen Staat.

Anfang März wurde bekannt, dass Europa nur knapp dem dritten Super-GAU des Atomzeitalters in der französichen Atomkraftanlage Fessenheim entgangen war. Der Vorfall lag zu diesem Zeitpunkt bereits einige Zeit zurück. Dass der GAU damals nicht als Super-GAU endete, ist nur einer spontanen Notmaßnahme des Kraftwerkspersonals und einer guten Portion Glück zu verdanken. Eigentlich hatten die Betreiber die beinahe Katastrophe möglichst geheimhalten wollen: Ein fast perfekter Vertuschungsversuch.

Außerdem jährten sich in diesem Jahr die beiden großen Super-GAUs in den Atomkraftanlagen Fukushima (Japan, 11.März 2011) und Tschernobyl (Ukraine, 26. April 1986) zum fünften und zum dreißigsten Mal.

Das Gedenken an die Atomkatastrophe von Tschernobyl nahmen Der BUND-Unterweser, die GRÜNEN Bremerhaven und die Fukushima-Mahnwache Bremerhaven zum Anlass, über Gefahren im Zusammenhang mit der Stilllegung des Atomkraftwerks "Unterweser" - in der Region besser bekannt als "AKW Esenshamm" zu informieren. Nach der Außerbetriebnahme des Atomkraftwerks im Rahmen des Atommoratoriums nach dem Super-GAU in Japan ist die Radioaktivität noch längst nicht "verschwunden".

Die Referenten Hans-Otto Meyer-Ott und Andreas Obermair (beide Arbeitskreis Wesermarsch) informierten anhand von 20 Dissens-Punkten über die aktuelle Situation und die Planungsprozesse rund um den, sowie die Plangungen für den Neubau eines "Zwischen"-Lagers für Atommüll auf dem Betriebsgelände des Atomkraftwerks.

Heute läuft die Steuer auf Brennelemente aus. Mit der unbegründeten Befristung der erst Anfang 2011 eingeführten Brennelementesteuer (Neusprech: "Kernbrennstoffsteuer") hat die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung den Atomkonzernen Steuervorteile eingeräumt, die ihnen ab 2017 erneut ungerechtfertigte Wettbewerbsvorteile gegenüber den Anbietern regenerativer Energieen verschaffen. Eigentlich hätten, die Erträge aus der Steuer neben der allgemeinen Haushaltskonsolidierung auch dazu beitragen sollen, die aus der notwendigen Sanierung der Schachtanlage Asse II entstehende Haushaltsbelastung des Bundes zu verringern.

Für die Bergung und sachgerechte Neudeponierung des Atommülls aus dem maroden Salzbergwerk "Asse-II" ist nach Berechnungen des Bundesumweltministeriums mittlerweile mit rund zehn Milliarden Euro zu rechnen. Im Dezember 2011 waren für die Rückholung und den Verschluss des maroden Endlagerbergwerks noch "bis zu 4 Milliarden Euro" veranschlagt worden. Damit haben sich die zu erwartenden Kosten innerhalb von sechs Jahren um deutlich mehr als das doppelte erhöht. Das demokratische Netzwerk "Campact" kommentierte das einem Newsletter an seinen Verteiler mit den Worten (Zitat): "Das gescheiterte Endlager ist ein Vorgeschmack auf das, was uns die Konzerne zurücklassen: Strahlenden Abfall, der uns über Generationen belastet. .. Ginge es danach, müsste die Steuer eigentlich steigen – und nicht auslaufen."


Der Bundesregierung geht der Ausbau der Windenergie an Land zu schnell. Wenn der zügige Umbau der Energieversorgung auf Strom aus den klimaschonenden regenerativen Energiequellen Sonne, Wind und Wasser dafür sorgen würde, dass die Umsetzung der Energiewende früher zum Abschluss käme, als es der fossilen Industrie und ihrer politischen Handlanger lieb ist, dann würde es das frühere Aus der Braunkohle bedeuten, die aufgrund politischer Fehlentscheidungen der letzten Jahre gerade eine Renaissance erlebt. Mit ihrer neuen Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) versuchen die politisch Verantwortlichen, nach ihren Maßnahmen gegen die Photovoltaik und dem Ausbremsen der Offshore-Windenergie nun auch die "Bürger-Windkraft" abzuwürgen.


Auch international ist aus dem ehemaligen "Vorreiter Deuschland" in Sachen Energiewende ein mittelmäßiger Mitläufer geworden. Der deutsche Klimaschutzplan, der eigentlich lange vor der Internationalen Klimaschutz-Konferenz der Vereinten Nationen in Marakesch (Marokko) hätte fertig sein sollen, wurde - in einer deutlich entschärfen Version - erst zu Beginn der zweiten Konferenz-Woche beschlossen. Zuvor wurden - insbesondere auf Betreiben Herrn Gabriels (SPD, Bundeswirtschaftminister) - Passagen zum Kohleausstieg aus dem deutschen Klimaschutzplan gestrichen. Am Ende war der ursprüngliche Klimaschutzplan zum Deutschen Kohleschutzplan mutiert. Auf der internationalen Bühne redet die Bundesregierung mit grüner Zunge. Aber anstatt die Energiewende zügig voranzutreiben handelt sie zuhause nach dem Motto "Mit Kohle und Atomkraft gegen die Energiewende".


Mit TTIP und CETA gegen die Demokratie

Zu Beginn des Jahres wurde bekannt, dass die Musiklehrerin Marianne Grimmenstein aus Lüdenscheid beabsichtigt, das demokratiefeindliche "Frei"-Handelsabkommen "CETA" (EU/Kanada) mit einer Bürgerklage vor dem Bundesverfassungsgericht zu stoppen.

Im März besuchte Herr Obama (USA, Präsident) die Hannover-Messe und warb dort gemeinsam mit Frau Merkel für das "Frei"-Handelsabkommen "TTIP" (EU/USA). Unter dem Motto "Obama und Merkel kommen: TTIP und CETA stoppen! Für einen gerechten Welthandel!" gingen zum Auftakt der Messe deshalb etwa 90.000 Menschen in Hannover auf die Straße.


Gelegentlich dauert es etwas länger, bis die notwendige Anzahl an Stimmen für die Zulassung eines Volksbegehrens erreicht ist. Im Juli kamen dagegen in Bayern bereits am Auftakt-Wochenende mehr als doppelt so viele Unterschriften für die Zulassung eines Volksbegehrens "CETA" - insbesondere gegen dessen "vorläufige Anwendung" - zusammen, wie unbedingt notwendig gewesen wären!
Ein breites gesellschaftliches Bündnisbrachte brachte im Juli eine weitere Klage vor dem Bundesverfassungsgericht auf den Weg. Am 17. September demonstrierten deutschlandweit 320.000 Menschen in sieben deutschen Landeshauptstädten gegen CETA und TTIP. Auch in anderen Städten Europas trugen die Menschen ihren Protest dagegen auf die Straße.

Im Oktober entschied das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) gegen die Eilanträge der Kläger, der vorläufige Anwendung des Handelsabkommens mit Kanada (CETA) einen Riegel vorzuschieben. Die Bundesregierung darf damit der vorläufigen Anwendung des Abkommens im Ministerrat der EU ihre Zustimmung erteilen - unter handfesten Bedingungen, die insbesondere die demokratiefeindlichen Abschnitte des Handesabkommens betreffen.

Am 18. Oktober hätte bei einem EU-Ministertreffen auf europäischer Seite endgültig grünes Licht für das Abkommen gegeben werden sollen. Da aber das Regionalparlament der Wallonie (Belgien) zwischenzeitlich mehrheitlich beschlossen hatte, der Vorläufigen Anwendung nicht zuzustimmen, wurde daraus dann allerdings vorläufig nichts. Erst nach weiteren Verhandlungen und Zugeständnissen seitens der belgischen Regierung und der EU-Kommission erhielt die belgische Regierung die Erlaubnis, der Vorläufigen Anwendung unter Bedingungen bezüglich der Einwände der Wallonie zuzustimmen.


Mit rechtsnationalen Parolen gegen Flüchtlinge und den Islam

"Flüchtlinge" waren auch im Jahre 2016 ein vieldiskutiertes Thema. Aus einigen politischen Lagern heißt es man müsse die Fluchtursachen beseitigen. Erstens bleibt es aber überwiegend bei  Lippenbekenntnissen, denen keine, beziehungsweise keine nachhaltigen Taten folgen, und zweites sind die Fluchtursachen zu einem nicht unwesentlichen Teil vielfach auf die deutsche und europäische Handelspolitik zurückzuführen, also "hausgemacht". Vom rechten politischen Rand der Gesellschaft kommen Forderungen, deren Ziel es ist, Menschen mit ausländischen Wurzeln generell loszuwerden.


Im April war im Deutschen Auswandererhaus der Dokumentarfilm "Wadim" zu sehen. Es ist ein beklemmender Film. Er zeigt das Schicksal eines jungen Mannes mit russischen Wurzeln, der in Deutschland aufgewachsen war. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kam er 1992 mit seinen Eltern, die sich in Lettland, wo sein Vater als Polizist gearbeitet hatte, nicht mehr sicher fühlten, als Flüchtling nach Hamburg.

Der Versuch der Ausländerbehörde die Familie nach Lettland abzuschieben, endete 2005 im Desaster. Seine Mutter schnitt sich die Pulsadern auf, sein Vater kam in der Untersuchungshaft. Wadim wurde im Alter von 18 Jahren allein nach Lettland - ein ihm völlig fremdes Land - abgeschoben.

Fünf Jahre lang versuchte er ein neues Zuhause zu finden. Nach einer Odyssee von Riga, durch Frankreich, Belgien und die Schweiz, wurde er erneut nach Lettland deportiert. Bei seinem letzten, "illegalen" Besuch bei seinen Eltern in Hamburg, im Januar 2010, nahm er sich das Leben. Wadim wurde nur 23 Jahre alt.

Die AfD hat die Muslime als Ursache für deutsche Probleme ausgemacht und den Islam zur politischen Ideologie erklärt, die mit ihren politischen Vorstellungen nicht vereinbar ist. Das trifft sicher auf den Islamismus und radikale Islamisten zu, nicht aber auf die Muslime und den Islam. Der ist nämlich nach wie vor eine Religion, die den gleichen Ursprung hat, wie das Judentum und das Christentum. Juden, Muslime und Christen glauben an den einen, gleichen Gott. Und in Deutschland gilt die Religionsfreiheit.

Ähnliches, wie die von der AfD vorbereitete gesellschaftliche Ausgrenzung der Muslime in Deutschland haben meine Großeltern und Eltern in den dreißiger und vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts im damaligen Deutschen Reich erleben müssen. Es wäre fatal, wenn sich die Geschichte nach nicht einmal einhundert Jahren in ähnlicher Weise wiederholen würde.


Terror - jetzt auch in Deutschland
2016 war das Land, in dem der internationale Terror des IS endgültig in Deutschland angekommen ist. Wenn ich jeden einzelnen Terroranschlag hätte kommentieren wollen, dann hätte ich viel zu schreiben gehabt. Wenn ich nur hin und wieder über einen Anschlag schreibe, dann heißt es irgendwann womöglich, ich sei parteiisch.

Aber egal wo und mit welcher Begründung Terroristen zuschlagen: Für hinterhältige Mordanschläge gegen unschuldige Menschen gibt es keinerlei Rechtfertigung. Und in jedem Fall gilt meine Anteilnahme den Angehörigen und Freunden der Mordopfer.

Angewidert war ich von den Versuchen derer, die den Anschlag auf die Besucher des Weihnachtsmarkts in Berlin sofort für ihre Parolen gegen Flüchtlinge, Ausländer und Muslime missbrauchten.

Mein kleiner Jahresrückblick erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Angesprochen habe ich nur die Themen, die mich während der zurückliegenden zwölf Monate am meisten beschäftigt haben. Ich fürchte, daran wird sich im Großen und Ganzen auch im kommenden Jahr nicht viel ändern.
Obwohl: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
In diesem Sinne: Kommt gut rein in's neue Jahr 2017



(Quellen: Atomkraftwerke Plag, NaturFreunde Deutschlands, Wadim - Der Film )

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Mit Kohle und Atomkraft gegen die Energiewende

Wenn man einmal nachrechnet, kommt man zu dem Ergebnis, dass mindestens noch vier Atomkraftwerke zuviel in Betrieb sind und dass die restlichen vier nur deshalb noch Atommüll produzieren, weil die Bunderegierung nichts unversucht lässt, um die Energiewende immer weiter auszubremsen.

In Deutschland lag die Bruttostromerzeugung Jahre 2015 bei 646 Terrawattstunden (TWh). Daran waren die acht in Deutschland noch betriebenen Atomkraftwerke mit 92 TWh beteiligt. Das entspricht einem Anteil von 14,2 Prozent an der gesamten Bruttostromerzeugung in Deutschland.

Deutschland erzielte im gleichen Zeitraum einen Stromexportüberschuss in Höhe von 50 TWh. 7,7 Prozent des hierzulande erzeugten Stroms wurde somit also "am Bedarf vorbei" produziert. Das ist ein neuer Rekord. Rein rechnerisch hätte man daher vier Atomkraftwerke abschalten können. Der Stromexportüberschuss hätte dann immer noch bei rund 310 Megawattstunden (MWh) gelegen.

340 TWh der Bruttostromerzeugung im Jahre 2015 kamen weiterhin aus mit fossilen Energieträgern befeuerten Großkraftwerken, deren Anteil mit 52,6 Prozent an der gesamten Bruttostromerzeugung knapp über der Hälfte lag. Im November 2015 waren in Deutschland 148 Stein- und Braunkohlekraftwerke in Betrieb. Alternativ zur Stilllegung von 4 Atomkraftwerken hätte man auch die Kohleverstromung um die Leistung von etwa 14 Kohlekraftwerken reduzieren können. Dann wären (rechnerisch) immer noch 134 Kohlekraftwerke zuviel in Betrieb gewesen die weiterhin zur Beschleunigung des Klimawandels und der globalen Erwärmung beitragen.
Darüber nachzudenken, ob es besser wäre, zuerst die Atomkraftwerke oder zuerst die fossil befeuerten Kraftwerke außer Betrieb zu nehmen, kommt der Überlegung gleich, ob es besser wäre, zuerst den Teufel oder vielleicht doch lieber zuerst den Belzebub auszutreiben. Der Eine lässt den ohnehin schon nicht mehr zu handhabenden Atommüllberg noch weiter ansteigen und könnte uns in den kommenden sechs Jahren einen jederzeit möglichen atomaren Super-GAU bescheren. Der Andere wird - wenn sich energiepolitisch nicht doch noch entscheidendes ändert - direkt in die Klimakatastrophe führen.

In jedem Fall werden die drei letzten und die aktuell auf der Erde lebenden Generationen die folgenden Generationen mit unlösbaren Problemen und veränderten Lebensbedingungen konfrontieren und ihnen Schäden am Klima- und Ökosystem des Planeten hinterlassen, wie sie in der Geschichte der Menschheit beispiellos sind.

Die Bruttostromerzeugung aus regenerativen Energiequellen betrug 187 TWh, was einem Anteil von 29,0 Prozent entspricht.


Strommix in Deutschland (Bruttostromerzeugung)


Wenn man den Zuwachs der Erneuerbaren Energien während der vergangenen 10 Jahre betrachtet, dann kann man sich gut vorstellen, welche Zuwachsraten innerhalb kurzer Zeit eigentlich noch möglich wären - wenn es da nicht gewisse Politiker gäbe, die gemeinsame Sache mit den Kohle-, Atom- und Automobilkonzernen machen würden. Angenommen, die Energiewende wäre in den vergangenen Jahren seitens der Bundesregierung nicht dermaßen künstlich ausgebremst worden, dann könnten wir inzwischen gut auf die noch verbliebenen acht Atomkraftwerke verzichten und die Nutzung fossiler Energieträger wäre spätestens nach Ablauf der kommenden 33 Jahre Geschichte.

Zu diesem Ergebnis kommen auch zwei verschiedene Modellstudien aus dem Jahre 2011, die von den Umweltschutzorganisationen BUND und Greenpeace veröffentlicht worden waren. Beiden Studien zufolge hätte der Atomausstieg bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen sein können. Beginnend mit diesem Jahr hätte man dann im Laufe der kommenden 15 bis 25 Jahre - entsprechend des Zubaus der regenerativen Energieen - nach und nach die fossil befeuerten Großkraftwerke stilllegen können. Spätestens ab 2050 wäre dann die komplette Stromversorgung auf regenerative Energien umgestellt gewesen.

Statt dessen ziehen die Puppenspieler in den Braunkohle-Konzernen an den Fäden, an deren anderm Ende unter anderem auch unser Herr Wirtschaftsminister hängt. In der Folge wird die Braunkohle über einen Zeitraum von sieben Jahren mit je 230 Millionen Euro subventioniert (insgesamt sind das 1,61 Milliarden Euro) - ursprünglich war statt dessen einmal von einer CO2-Abgabe für Braunkohlekraftwerke die Rede gewesen(!) - und für die Braukohlemeiler gibt es Laufzeitgarantien: "Für den Klimaschutz" müssen bis zum Jahr 2020 schrittweise 13 Prozent der deutschen Braunkohle-Kapazitäten stillgelegt werden. Im Umkehrschluss heißt das, 87 Prozent der Kapazitäten dürfen auch darüber hinaus genutzt werden - bisher ohne Befristung! Und anstelle der Klimakiller und der Atommüllfabriken stehen deshalb auch weiterhin immer wieder die klimaneutralen Photovoltaik- und Windkraftanlagen still.

Anstatt zurückzugehen stagnierten die CO2-Emissionen im Verlauf der Jahre 2009 bis 2015 innerhalb einer Bandbreite von 902 bis 945 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten (im Mittel waren das 921 Millionen Tonnen pro Jahr). In einer Pressemitteilung vom März 2014 hatte das Umweltbundesamt sogar noch einen Anstieg der Emissionen klimarelevanter Gase festgestellt und als Ursache dafür die CO2-Emissionen aus den Kohlekraftwerken identifiziert (Zitat): "Treibhausgasausstoß im Jahr 2013 erneut um 1,2 Prozent leicht gestiegen: Kohlestrom erhöht die Emissionen – und gefährdet so das nationale Klimaschutzziel".

Laut einer Nahzeitprognose des Umweltbundesamtes vom März 2016 lagen die Emissionen klimarelevanter Gase im Jahre 2015 bei 908 Mio Tonnen Kohlendioxid-Aquivalente. Voraussichtlich werden sich die politisch festgelegten Rahmenbedingungen (Ausbremsung der Energiewende, festhalten an der Braunkohle) in der nächsten Legislaturperiode ab 2017 weder unter einer schwarz-, noch unter einer rot-dominierten Bundesregierung entscheidend ändern. Im günstigsten Fall ist also damit zu rechnen, dass sich die Stagnation der Emissionen klimarelevanter Gase auf annähernd dem gleichen Level fortsetzen wird, wie in den vergangenen sieben Jahren. Daher stellt sich die Frage, wie denn wohl innerhalb der kommenden vier Jahre eine Reduktion um 159 Mio Tonnen Kohlendioxid-Aquivalente realisiert werden soll, wenn das Etappenziel im Jahre 2020 (749 Mio Tonnen Kohlendioxid-Aquivalente) tatsächlich noch erreicht werden soll.

Das darauf folgende "Ziel", welches für das Jahr 2050 angepeilt wird, liegt bei "62,5 bis maximal 250 Mio Tonnen" Kohlendioxid-Aquivalenten. Das ist nach meinem Verständnis kein Ziel, sondern bestenfalls so etwas wie das Anstreben eines mehr oder weniger langen Bremsweges. Und der ist noch mindestens 62,5 Millionen Tonnen von dem Ziel entfernt, das in der Studie von Greenpeace für 2050 definiert ist:
  • Null Gramm CO2!


Atomkraft für Deutschland

Auch die AfD wäre mit ihrem Motto Atomkraft für Deutschland energiepolitisch keine Alternative - und für die Welt schon gar nicht! Ginge es nach den Rechtspopulisten, dann würden die verbliebenen Atomkraftwerke noch bis zum St. Nimmerleinstag in Betrieb bleiben, die Verbrennung fossiler Energieträger zur Stromerzeugung würde massiv ausgweitet und der Ausbau regenerativer Energiequellen beendet werden. In ihrer Bilanz für den propagierten (kurzfristigen) "wirtschaftlichen Nutzen" der Atomkraft und der Kohleverstromung blendet die AfD - neben den  dafür auch weiterhin notwendigen Subventionen - auch die noch über viele Generationen hinweg zu erwartenden wirtschaftlichen Folgeschäden komplett aus.

In ihrem Grundsatzprogramm hebt die AfD "die positive Wirkung des CO2 auf das Pflanzenwachstum und damit auf die Welternährung" hervor. Je mehr es davon in der Atmosphäre gebe, heißt es weiter, desto kräftiger falle das Pflanzenwachstum aus (Grundsatzprogramm der AfD, Seite 61). Da fragt sich nur, wo all die schönen Nahrungspflanzen denn noch wachsen sollten, wenn sich die Dürre- und Wüstengebiete auf unserem Planeten infolge des CO2-beschleunigten Klimawandels noch weiter in Richtung Norden und Süden ausbreiten würden, mit den tief gelegenen Küstenregionen infolge des steigenden Meeresspiegels gleichzeitig auch fruchtbares Marschenland im Meer versinken und infolge der bereits heute zu beobachtenden Häufung von Extremwetterereignissen der Rest der Ernte vernichtet werden würde.

Davon, wie mit den zunehmenden Strömen der Hungerflüchtlinge aus dem beiderseits des Äquators breiter werdenden Dürregürtel dann zu verfahren wäre, gibt es in den Reihen der AfD bereits heute "spezielle" Vorstellungen: Die vor Not und Hunger fliehenden Menschen werden an den Grenzen zu Deutschland mit Waffengewalt an der Einwanderung in die noch verbliebenen fruchtbaren Regionen der Welt gehindert.

Darüberhinaus hat die AfD offenbar den Knall von "Tschernobyl" (Ukraine, Super-GAU am 26. April 1986) noch nicht gehört. Sie setzt sich deshalb für die Verlängerung der Betriebsgenehmigungen für die in Deutschland noch betriebenen Atomkraftwerke ein, die sie für die sichersten der Welt hält (Grundsatzprogramm der AfD, Seite 65). - Davon, dass die weltsichersten Atomkraftwerke in Japan zu finden sind, waren auch die Japaner immer überzeugt gewesen. Trotzdem ist ihnen ihre Atomkraftanlage "Fukushima Dai'ichi" infolge eines Super-GAUs gleich mehrfach um die Ohren geflogen.

Die Erkenntnis, dass die Atomtechnik im Falle eines Unfalls nicht sicher beherrschbar ist, ihre Risiken nicht kalkulierbar und die imensen Folgen eines jederzeit möglichen Super-GAUs mit irreperablen Schäden für die kommenden Generationen nicht hinnehmbar sind, ist bei der AfD offenbar noch nicht angekommen. - Und der im Falle eines Super-GAUs mitten in Deutschland zu erwartende wirtschaftliche Schaden wäre dabei noch das geringste der zu erwartenden Probleme.


Ein fauler Atomdeal

Aber auch ohne die Segnungen der AfD dürften zum Ende des Jahres 2016 in den Chefetagen der Atomkonzerne die Sektkorken knallen: Mit Beginn des Jahres 2017 enfällt für die Atomkonzerne die Brennelementesteuer. Im Klartext: Bis zum voraussichlichen Ende der Atomkraft in Deutschland schenkt die Bunderegierung den Konzernen rund fünf Milliarden Euro.

Ein weiteres, finanzielles - in der Summe wohl erst über viele Generationen hinweg zu bezifferndes Geschenk - ist der sogenannte Atomdeal: Für 23,6 Milliarden Euro dürfen die Atomkonzerne sich aus der Verantwortung für den von ihnen produzierten Atommüll freikaufen. In den 23,6 Milliarden Euro sind die Rückstellungskosten für den Rückbau der Atomkraftwerke bereits enthalten - die hätten die Atomkonzerne ohnehin zahlen müssen. Darauf aufgeschlagen wurde ein Risikoaufschlag in Höhe von etwa sechs Milliarden Euro. Der Risikoaufschlag wird als eine Art Notgroschen propagiert: "Falls" die Atommüllentsorgung "teurer werden sollte". Abzüglich des bereits genannten Brennelemente-Steuergeschenks müssen die Atomkonzerne - über ihre bisher angefallenen Verpflichtungen hinaus - nur noch eine Milliarde Euro mehr aufbringen.

Mit den darüber hinausgehenden Verpflichtungen und Kosten werden wir Bürger und Steuerzahler konfrontiert. Der Spiegel schrieb dazu am 27.04.2016 auf seiner Internetseite (Zitat):
.. Das klingt erst einmal nach viel Geld. Aber eben nur so lange, bis man sich die Dimension des Atomausstiegs vor Augen führt: Manche der radioaktiven Trümmer werden Millionen Jahre strahlen und eine Bedrohung für die Gesundheit der Deutschen sein. Ein Endlager für solch hochradioaktive Stoffe muss erst noch gefunden und gebaut werden, und die radioaktiven Reste müssen dort erst noch hingebracht werden.

Die Kostenkalkulationen mancher Experten reichen bis ins Jahr 2099, die finanziellen Unsicherheiten sind gigantisch. Und das nicht nur, weil man technologisch und politisch mit lauter Unbekannten hantiert. Es reicht schon, wenn die Zinsen für die Atomrückstellungen leicht sinken, was angesichts der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank als ziemlich wahrscheinlich gilt. Schon dann könnten im Atomausstiegstopf am Ende zig Milliarden fehlen.

Würde es nur danach gehen, was gerecht ist, dann wäre Trittins Vorschlag eine bodenlose Frechheit: Die Energiekonzerne haben mit ihren AKW insgesamt Gewinne im dreistelligen Milliardenbereich eingefahren. Entsprechend müssten eigentlich sie alle Risiken für die Entsorgung des strahlenden Schrotts tragen. Nicht die Steuerzahler. ..

Insbesondere dem letzten Absatz ist nichts weiter hinzuzufügen!


(Quellen: KlimaLounge vom 02.09.2016, Spiegel online vom 27.04.2016, vom 21.04.2016 und vom 31.01.2016, Süddeutsche Zeitung vom 06.02.2016, ARD-Tagesschau vom 19.10.2016 und vom 31.01.2016, Die Zeit vom 30.01.2016, Frankfurter Neue Presse vom 26.10.2015, Studien von Greenpeace und BUND, Kernenergie de, Frauenhofer, BMWi, Umweltbundesamt - Treibhausgas-Emissionen  mit Abbildung 1 und Abbildung 2, Wikipedia, EnergieZukunft )

Freitag, 23. Dezember 2016

Ein Weihnachtsgruß

Weihnachtskrippe aus Keramik mit Teelicht-Beleuchtung (J. Winkler, ca. 1975)

Ich wünsche Euch ein Frohes Weihnachtsfest.

Meine Gedanken sind in diesen Tagen bei all jenen, die unter den Folgen von Krieg und Terror zu leiden haben. Ihnen wünsche ich, dass nach der Zeit der Trauer auch für sie bald wieder frohe Tage kommen werden.

Gott hat die Welt mit einem Kind erschüttert
- nicht mit einer Bombe.

(Verfasser unbekannt)