Dienstag, 16. Juni 2009

Vom Wringer zum Wäschetrockner

Neben dem Drachenboot Cup im Bremerhavener Fischereihafen gab es beim "Schaufenster Fischereihafen" am letzten Wochenende auch noch einen kleinen Bauernmarkt, und auch einige Kunsthandwerker boten ihre Produkte zum Verkauf an. Auf dem Bauernmarkt waren unter anderem auch zwei Pavillons aufgebaut, in denen gezeigt wurde, wie früher auf dem Lande gekocht und Wäsche gewaschen wurde.


Wäschewringer

Vor dem "Waschpavillion" stand ein Holzgestell mit einem Zinkwanne zum Wäschewaschen darauf. Am Rand der Zinkwanne war ein Wäschewringer befestigt. Der Wäschewringer erinnerte mich an die Waschmaschine meiner Mutter ...


Die Waschmaschine stand ganz oben auf der Liste der Wünsche meiner Eltern, nachdem sie in ihre erste gemeinsame Wohnung eingezogen waren. Bis sie sich die erste elektrische Waschmaschine leisten konnten, hatte meine Mutter die Wäsche noch mit einem Waschbrett und einem Wäschekocher waschen müssen. Es beeindruckt mich immer wieder, wenn sie erzählt, wie das damals vor sich ging, und dass der "Waschtag" wirklich ein langer Tag voller harter Arbeit war.

Die Waschmaschine sah auf den ersten Blick wie eine heutige Maschine aus, die man von oben befüllt (auf neudeutsch sagt man heute "Toploader"). Auch die erste Waschmaschine meiner Mutter wurde von oben befüllt. Der Unterschied zu einem dieser modernen Toploader bestand darin, dass die Wäsche nicht in eine Wäschetrommel, sondern in einen quadratischen Bottich gefüllt wurde. Am Boden dieses Wäschebottichs befand sich ein zweiflügeliger Quirl, der von einem unten in der Waschmaschine angebrachten Motor angetrieben wurde. Der Quirl bewegte die Wäsche im Bottich der Waschmaschine. Diese geniale Erfindung läutete damals das Ende des Waschbretts ein, das heutzutage nur noch als Rhythmusinstrument in einigen Stilrichtungen der Jazz Musik zum Einsatz kommt. Es gab auch eine elektrische Heizung, mit der das Waschwasser erhitzt wurde. Nach jedem Waschgang musste meine Mutter die elektrisch betriebene Pumpe einschalten, um das Wasser aus der Maschine abzupumpen. Für den folgenden Waschgang füllte sie von oben frisches Wasser und das Waschmittel in den Bottich.

Nach dem letzten Spülgang kam dann der am Rand des Bottichs der Waschmaschine angebrachte Wäschewringer zum Einsatz. Damit wurde das Wasser so weit aus der Wäsche gepresst, dass sie auf der Wäscheleine etwas schneller trocknete, als es beim Wringen mit den Händen möglich gewesen wäre. Der eigentliche Vorteil gegenüber dem Auswringen von Hand war jedoch, dass die kraftzehrenden, und auf die Dauer oft schmerzhaften Drehbewegungen in den Handgelenken, seit der Erfindung des Wäschewringers der Vergangenheit angehörten.

Als ich fünf oder sechs Jahre alt war, sind wir aus der ersten Wohnung meiner Eltern in eine Neubauwohnung am Stadtrand umgezogen. Dort gab es ein richtiges Badezimmer mit einer richtigen Badewanne, in dem so viel Platz war, dass dort neben der Waschmaschine auch noch eine elektrische Wäscheschleuder stehen konnte. Das Funktionsprinzip war schon das gleiche wie der Schleudergang moderner Trommelwaschmaschinen. Der Unterschied war lediglich, dass die Drehung der Trommelzentrifuge horizontal ausgerichtet war, und die nasse Wäsche von oben eingefüllt wurde. Damit hatte dann auch der gute alte Wäschewringer ausgedient. Die Wäscheschleuder hat dann wiederum die alte Bottichwaschmaschine noch um einige Jahre überlebt. Der Nachfolger der ersten Waschmaschine meiner Mutter war eine moderne Trommelwaschmaschine, ein Toploader*), aber die hatte wohl noch keinen Schleudergang.


Da ich sozusagen mit einer elektrischen Waschmaschine aufgewachsen bin, war ich sehr überrascht, als meine Frau mir eines Tages erzählte, dass ihre Mutter noch bis Ende der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts die Wäsche im Waschkessel ihrer Waschküche gewaschen hat. Meine Frau stammt aus einem kleinen Dorf zwischen Bremerhaven und Cuxhaven. Nachdem meine Schweigereltern ihre Waschküche zu einem Badezimmer umgebaut hatten, schafften sie sich ihre erste Waschmaschine an: Eine moderne Trommelwaschmaschine mit "Bullauge". Abgesehen davon, dass die heutigen Waschmaschinen von elektronischen Waschprogrammen gesteuert werden, ist dieser Waschmaschinentyp auch heute noch Stand der Technik, während die Bottich-Waschmaschine meiner Mutter lediglich ein Übergang von der Waschküche in die Neuzeit der Haushaltstechnik war.

Heutzutage gibt es viele Familien, die sich das Leben ohne einen Wäschetrockner kaum noch vorstellen können. Die halten eine Wäscheleine für so antiquiert wie ich die Waschküche aus der "guten alten Zeit". Der harte Arbeitstag von damals hat sich heute auf das Befüllen der Maschinen und die anschließende Entnahme der fertig getrockneten Wäsche reduziert. Mehr Zeit als früher haben die Menschen deshalb merkwürdigerweise heute aber auch nicht.


Abschließend bedanke ich mich an dieser Stelle bei dem netten Herrn auf dem Bauernmarkt für die eindrucksvolle Demonstration der Funktion des Wäschewringers. Ohne ihn wäre ich wohl kaum auf die Idee gekommen, diesen Artikel über den technischen Fortschritt vom Waschbrett zur Trommelwaschmaschine und vom Wäschewringer über die Wäscheschleuder zum Wäschetrockner zu schreiben.


*) ich habe keine Ahnung, ob die damals auch schon so hießen ;o)

Kommentare:

kelly hat gesagt…

so lange ist es auch bei mir nicht her...
erinnerungen an den "mandelpott?" für wäsche und schlachttag sind noch recht gegenwärtig.
1959 auf dem neuen aussiedlerhof wurde das monstrum wieder in die waschküche eingefügt.

*g* all die verzärtelten jungen damen möchte ich heute mal bei der arbeit sehen.
einen wunderbaren "wäsche"tag wünsche ich auch in brhv.!
lg kelly

Lucki hat gesagt…

Hola juwi,
also diese Art Wäsche zu waschen ist mir von meiner Mutter noch bekannt. Wringer, Waschmaschine wurde mit Wasserdruck angetrieben und die Wäsche in einen großen Kupferbottich, der mit Kohle befeuert wurde, gekocht. Heute sieht man noch solche Waschmaschinen in Gärten als Deko mit Blumenbepflanzung.
LG Lucki
P.S.
Die Captcha-Abfrage muss ich immer zweimal durchführen. Ist aber schon länger so. Absicht?

juwi hat gesagt…

@Lucki:
Danke für den Hinweis; eigentlich sollte das mit einem Mal genug sein. Das ist mir aber bei anderen Blogger Blogs auch schon so gegangen. Ich versuche mal herauszufinden, wie man das ändern kann.

Elfe hat gesagt…

Hallo Juwi

Ach du meine Güte, wenn ich mir vorstelle, ich müsste meine ganze Wäsche so durch den Wäschewringer ziehen! Die Waschmaschine ist schon eine grosse Errungenschaft was die Hausarbeit anbelangt.
Liebe Grüsse
Elfe

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