Donnerstag, 24. April 2014

Vertreibung und Ausrottung der Waldmenschen


Tödliches Palmöl (Doku von 2012 © WDR, Reportage von Norbert Lübbers)

Die Regenwälder auf den indonesischen Inseln Borneo und Sumatra sind die Heimat der "Waldmenschen". Ihre Welt endet an den Grenzen ihrer Wälder. Der Wald gibt ihnen alles, was sie zum Leben benötigen. Mehr brauchen sie nicht - aber ohne den Wald könnten sie nicht überleben. Würde ihre Welt untergehen, dann würden auch die "Waldmenschen" für immer von der Erde verschwinden.

"Waldmensch" ist die deutsche Übersetzung der malaiischen Wörter "orang" (Mensch) und "utan" (Wald). Biologisch gesehen sind die perfekt an das Leben im Wald angepassten Orang-Utans unsere nächsten Verwandten im Tierreich. Eigentlich sollte ihre kleine Welt, das Leuser Ökosystem mit dem "Gunung Leuser Nationalpark" in der Province Aceh, der seit 2004 auf der Liste des Weltkulturerbes steht, vor dem Zugriff internationaler Konzerne sicher sein.

Die Realität ist jedoch offenbar eine andere, als das, was auf Papier geschrieben steht: Mithilfe eines neuen Raumordnungsplans will die Regierung in Aceh die eigentlich geschützten Wälder für weitere Holz-, Bergbau und Palmöl- Firmen mit dem Bau eines Straßennetzes zugänglich machen.

Das Leuser Ökosystem, das von der Zeitschrift Sience einmal als "the world’s most irreplaceable area" - das weltweit einzigartigste und unersetzliche Gebiet - bezeichnet wurde, ist daher akut gefährdet - und mit ihm, neben den Urang-Utans von Sumatra, auch die letzten Sumatra-Tiger und die letzten Sumatra-Nashörner. Alle genannten Tierarten stehen auf der roten Liste höchst gefährdeter Arten. Im Klartext: Sofern nicht noch rechtzeitig etwas dagegen unternommen wird steht ihr Aussterben unmittelbar bevor.


Wir teilen die gleiche Erde

"Waldmenschen", Eisbären und Menschen haben eines gemeinsam: Sie teilen die gleiche Erde - und die von uns Menschen verursachte globale Erwärmung zerstört nicht nur die Lebensgrundlage der Orang-Utans oder der Eisbären, sondern auch unsere eigene.

Wie im Falle des von der weltweiten Eisschmelze besonders betroffenen Lebensraums der Eisbären und des dadurch steigenden Meeresspiegels, haben auch die Folgen der Abholzung der indonesischen Regenwälder globale Auswirkungen auf die Lebensgrundlagen auf der Erde. Indonesien ist nach den USA und China weltweit der drittgrößte Treibhausgas-Emittent. Verantwortlich dafür ist im Wesentlichen die ungebremste Rodung der letzten klimastabilisierenden Regenwälder, an deren Stelle Palmöl- oder Holzplantagen zur Befriedigung der Nachfrage des Weltmarktes angelegt werden.

Die Organisation "Rettet den Regenwald e.V." schreibt in einer Pressemitteilung vom 14.04.2014, Palmöl und die Trockenlegung von Torfböden würden als Bedrohungen für das globale Klima unterschätzt. Im aktuellen Klimareport des IPCC von 2013 ist nachzulesen, dass derzeit insgesamt 13 Prozent der weltweiten, durch den Menschen verursachten klimaschädlichen Emissionen auf die Forstwirtschaft, sowie sonstige Veränderungen bei der Nutzung der Landflächen verursacht werden. Die sehr hohen CO2-Emissionen Indonesiens sind demnach im Wesentlichen auf die Brandrodungen in den Regenwäldern und die Trockenlegung der torfigen, ehemaligen Regenwaldböden, sowie die nachfolgende intensive landwirtschaftliche Nutzung zurückzuführen.

Zu den regionalen Auswirkungen der radikalen Rodungen heißt es auf der Internetseite des "Sumatran Orangutan Conservation Programme" (SOCP), das Leuser Ökosystem sei aüßerst wichtig für die Wasserversorgung Sumatras. Die zerfurchte Landschaft sei von einem komplexen System aus Wasserläufen durchzogen. Rodungen würden dort folgenschwere Erosionen und katastrophale Überschwemmungen zur Folge haben. In den tiefer gelegenen Gebieten unterhalb der bereits gerodeten Regenwälder häuften sich in der Vergangenheit Überschwemmungen und Springfluten, bei denen schon schon einige hundert Menschen zu Tode gekommen seien.


Petitionen

Sateliten-Foto mit "Moderate Resolution Imaging Spectroradiometers" (MODIS)
vom 28.02.2014. Aktive Brände sind rot hervorgehoben. (© NASA)
Wenn die Regierung Indonesiens nicht noch rechtzeitig davon überzeugt werden kann, nachhaltige Maßnahmen zum Schutz der letzten Regenwälder auf Borneo und Sumatra zu ergreifen, dann droht den Orang-Utans das gleiche Schicksal, wie den Eisbären in der Arktis. Die uns biologisch am nächsten stehenden, akut von der Ausrottung bedrohten Menschenaffen, werden dann aber wohl bedeutend schneller vom Erdboden verschwunden sein, als die Eisbären. - Die letzten Überlebenden ihrer Art werden dann in Zoos an die Folgen menschlicher Gier erinnern.

In einer E-Mail an seinen Verteiler schreibt das internationale demokratische Netzwerk AVAAZ, Europa könne Indonesien weitaus attraktivere Handelsanreize bieten, als die Konzerne der Papier- und der Bergbauindustrie, deren Lobbys die Regierung Indonesiens bedrängen, die Regenwälder zur Abholzung freizugeben. Der EU-Botschafter (Herr Olof Skoog) könne dazu beitragen, die Orang-Utans für immer zu schützen (Zitat):
.. Naturschutzorganisationen in Sumatra kämpfen mit allen Mitteln um seine [Herrn Skoogs] Aufmerksamkeit, doch nun bitten sie uns darum, ihren dringenden Aufruf zu verstärken. Stellen wir den EU-Botschafter und Deutschlands Umweltministerin ins Licht der Öffentlichkeit, damit sie gemeinsam handeln, bevor es zu spät ist.

Als EU-Botschafter für Indonesien kann Olof Skoog der örtlichen Regierung die politische und technische Unterstützung bieten, um die zerstörerischen Pläne vernünftig zu überprüfen und sie davon überzeugen, den empfindlichsten Teil des Regenwaldes zu schützen. Für solch eine Lösung sind bereits starke Impulse gesetzt worden: Einzelne EU-Länder, darunter auch Deutschland (ein wichtiger Geber) haben Interesse daran gezeigt. Und der Botschafter und die Umweltministerin sind für diese Aufgabe am Besten geeignet.

Die EU ist einer der Hauptinvestoren in nachhaltige Entwicklung auf Sumatra. Deswegen sollte Herr Skoog dafür sorgen, dass die Früchte dieser Investition nicht durch die derzeitigen Pläne aufs Spiel gesetzt werden. Insider sagen, dass er nur deshalb noch nichts unternommen hat, weil er einfach noch nicht realisiert hat, wie wichtig das Thema ist und welche Rolle er spielt.

Der größte Einsatz zur Rettung dieses Regenwalds steht noch an. Verstärken wir also den Aufruf an den Botschafter und zeigen wir ihm, dass wir auf ihn zählen, eines der wichtigsten Waldstücke der Welt zu retten. ..

AVAAZ hat deshalb eine Petition initiiert. Sie lautet:
An den EU-Botschafter in Indonesien, Olof Skoog, Deutschlands Umweltministerin Dr. Barbara Hendricks, und die Hohe Vertreterin für EU-Außenpolitik, Catherine Ashton:

Als besorgte Bürger bitten wir Sie, dringend sicherzustellen, dass das Leuser-Ökosystem auf Sumatra - einer der wichtigsten Regenwälder auf der Welt - unter vollständigem Schutz bleibt. Das Gebiet für Bergbau, Papier- und Palmölplantagen freizugeben wäre ein Umweltdesaster von katastrophalem Ausmaß. Als wichtige Geberregion für nachhaltige Entwicklung in Aceh, sollte die EU dafür sorgen, dass die Früchte dieser Investition nicht durch den zerstörerischen Plan aufs Spiel gesetzt werden. Wir fordern Sie auf, dafür zu sorgen, dass Europa jetzt handelt, um das Leuser-Ökosystem für künftige Generationen zu schützen.

Jeder, der die Petition unterstützen möchte, kann diese
auf der Internetseite von AVAAZ online unterzeichnen.



Die Organisation "Rettet den Regenwald e.V." versucht, direkten Einfluss auf die Konzerne zu nehmen, deren Produkte für den steigenden Bedarf an Palmöl aus Plantagen auf dem Gebiet ehemaliger Regenwälder verantwortlich sind. In einer Petition benennt sie dabei explizid den "Procter and Gamble" Konzern der jährlich 460.000 Tonnen Palmöl und Palmkernöl verarbeitet.

Zu seinem Sortiment gehören beispielsweise so bekannte Marken wie "Meister Proper", "Head and Shoulders", "Gillette" oder "Oil of Olaz". "Procter and Gamble" habe jetzt versprochen, ab 2020 kein Palmöl mehr zu verwenden, das aus gerodeten Regenwäldern stammt ...


Die "Stiftung Unternehmen Wald" schreibt auf ihrer Internetseite, im Zeitraum von 1985 bis 2007 habe Sumatra rund die Hälfte der Waldflächen verloren. Vom am stärksten bedrohten tropischen Tieflandwald seien heute nur noch 20 Prozent seiner ursprünglichen Ausdehnung übrig.

In jedem einzelnen Jahr sei während dieser Zeit durchschnittlich 550 Tausend Hektar entwaldet worden. Etwas anschaulicher ausgedrückt entspricht das demnach das einer Rodungsgeschwindigkeit von 88 Fußballfeldern pro Stunde!

Die Stiftung schreibt, das Ergebnis einer Bestandsaufnahme auf Grundlage von Satellitenbildauswertungen der letzten Jahre zeige, dass die Tieflandregenwälder auf beiden Inseln bis zum Jahr 2020 zerstört sein werden, wenn die Entwaldung wie bisher fortschreitet.

Der WWF schreibt auf seiner Internetseite, nirgendwo sonst auf der Welt gäbe es so große tropische Torfmoorwälder wie auf den indonesischen Inseln Sumatra, Borneo und Neuguinea, die zu den wichtigsten natürlichen Kohlenstoffspeichern der Erde gehören. Ihre Zerstörung hätte dramatische Auswirkungen auf unser Weltklima. Kein anderer Waldtyp speichere so viel Kohlenstoff. In Tausenden von Jahren hätten sich dort gigantische Mengen davon im Untergrund angesammelt. Die Zerstörung dieser Torfmoorwälder sei eine tickende Zeitbombe für das Weltklima. Der in den Torfschichten und Bäumen gespeicherte Kohlenstoff entspräche - als Treibhausgas CO2 in die Atmosphäre abgegeben - der Menge der weltweiten Emissionen aus fossilen Brennstoffen der letzten 70 Jahre!


... Das Versprechen des "Procter and Gamble" Konzerns ist deshalb nichts als heiße Luft:
  • Wenn nicht sofort gehandelt wird, dann werden die Regenwälder Sumatras und Borneos den Prognosen zufolge im Jahre 2020 verschwunden sein. - Und mit ihnen die letzten frei lebenden Orang-Utans, Sumatra-Tiger und Sumatra-Nashörner sowie zahlreiche weitere Tier- und Pflanzenarten.

"Rettet den Regenwald" schreibt auf seiner Internetseite (Zitat):
Lieferanten von Procter and Gamble ziehen eine Spur der Verwüstung durch Indonesien. Produzenten wie BW Plantation, KLK und Musim Mas werden mit Urwaldzerstörung und dem Tod von Orang-Utans in Verbindung gebracht. Nicht auszuschließen, dass über Händler wie Wilmar International und Cargill tödliches Palmöl bei Procter and Gamble landet - und damit in Ihrem Haushalt.

Satellitenbilder, die Greenpeace ausgewertet hat, zeigen Rodungen im unberührten Urwald von Papua. Für sie soll Rimba Mestoa Lestari, ein Zulieferer von
Procter and Gamble, verantwortlich sein. Seit 2009 wurden in einem Konzessionsgebiet 30.000 Hektar Wald vernichtet - auch in jüngster Vergangenheit.

In Zentral-Kalimantan rodet BW Plantation laut Greenpeace in mehreren Gebieten, wo Orang-Utans leben. Auch für das Öl von KLK und Musim Mas werde der Lebensraum der Tiere zerstört. Auf dem Konzessionsgebiet von Rokan Adi Raya würden die letzen Sumatra-Tiger gefährdet.

Jetzt verspricht
Procter and Gamble, seine Lieferanten müssten ab 2015 nachweisen, woher ihr Palmöl stammt. Ab 2020 will der Konzern ganz auf Öl aus Rodungen verzichten. Das ist für viele Gebiete zu spät. Bis dahin wird der Wald vernichtet sein. Heute bedecken Palmöl-Plantagen in Indonesien 10 Millionen Hektar, bis 2020 sollen es 20 Millionen sein – die doppelte Fläche innerhalb von sechs Jahren!

"Rettet den Regenwald" hat deshalb eine Petion an "Procter and Gamble" initiiert, die den Konzern zum sofortigen Verzicht auf Palmöl auffordert. Die Petition im Wotlaut:
Sehr geehrter Alan G. Lafley,

Ihr Unternehmen kauft bis 2020 Palmöl, für das Regenwald gerodet wird. Ihre Zulieferer dürfen weitere sechs Jahre abholzen. Angesichts der dramatischen Regenwaldvernichtung, mit der Ihre Lieferanten in Verbindung gebracht werden, ist das unerträglich.

Erst ab 2020 kein Palmöl aus Rodungen zu beziehen, ist für viele Gebiete zu spät. Bis dahin wird der Wald vernichtet sein. Heute bedecken Palmöl-Plantagen in Indonesien 10 Millionen Hektar, bis 2020 werden es 20 Millionen sein – die doppelte Fläche!

Selbst die sofortige Umsetzung Ihrer angekündigten „No deforestation“-Politik würde die Probleme nicht lösen, da es aus vielerlei Gründen kein nachhaltig produziertes Palmöl gibt. Bitte verzichten Sie daher sofort ganz auf Palmöl.

Mit freundlichen Grüßen

Die Petition an "Procter and Gamble" kann auf der Internetseite
von "Rettet den Regenwald" online unterzeichnet werden.




(Quellen: Rettet den Regenwald e.V. - Pressemitteilung vom 14.04.2014, Die Zeit vom 29.11.2013 und vom 11.07.2013, FAZ vom 22.06.2013, taz vom 17.03.2013, Spiegel von 15.12.2012, Orang Utans in Not e.V., Wikipedia, "Sumatran Orangutan Conservation Programme" (SOCP) und Petition, indymedia org, Stiftung Unternehmen Wald, WWF )

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